Unter Dialog verstehen wir eine Art des Sprechens und Zuhörens, die über das reine Alltagsverständnis hinausgeht. Sie beinhaltet eine Offenheit, sich auf das Gegenüber und den Gesprächsprozess einzulassen und sich von diesem verändern zu lassen. Zentral hierfür ist das „listen to learn“; das Zuhören, um zu lernen. Dialog wird dabei von der Debatte unterschieden, da es nicht darum geht, das Gegenüber mit Argumenten zu überzeugen, sondern es zu verstehen und die andere Position durch einen Perspektivwechsel nachzuvollziehen. Wir interessieren uns speziell für Dialog im (gesellschaftlichen) Konflikt oder im Kontext polarisierter Debatten.
Auf dieser Karte werden verschiedene Dialogformate und -workshops in Deutschland dargestellt. Darunter sind einerseits Gesprächsformate, die dazu einladen, mit Menschen in den Dialog zu teils kontroversen Themen zu treten. Andererseits bilden wir Workshops ab, die Haltungen und Methoden der Dialogführung vermitteln. Daneben sind Fortbildungen zu finden, die Multiplikator*innen ausbilden, selbst zukünftig Dialogworkshops oder veranstaltungen anzuleiten.
Die Übersicht hat zum Ziel, Informationen über bestehende Dialogprojekte in Deutschland zu bündeln und Angebote und Akteure für Dialogpraktiker*innen und für Dialoginteressierte abzubilden. Auf diese Weise soll auch die Vielfalt der Angebote und Herangehensweisen an Dialog und an Erfahrungs- und Kompetenzvermittlung in dem Bereich sichtbar gemacht werden.
Es werden Formate abgebildet, die einen gesellschaftsrelevanten Bezug haben und sich stärkend auf gesellschaftlichen Zusammenhalt, eine Praxis der Demokratie und Frieden als Prozess auswirken. Dialog im Privaten oder im Beruflichen kann in diesem Verständnis durchaus die beschriebene Wirkung haben und in die gesellschaftliche Sphäre hineinwirken – dies ist keineswegs scharf trennbar. Zur Fokussierung der Dialogformatübersicht haben wir diese Unterscheidung dennoch gewählt und bilden entsprechend Angebote aus diesen Kontexten nicht ab. Auch Bürgerdialoge aus der Bürgerbeteiligungspraxis werden nicht abgebildet, da sie einem eigenen Dialogverständnis folgen und eine eigene Übersicht bräuchten.
Es besteht kein Anspruch, detaillierte Informationen über die jeweilige Methodik und Zielsetzung der Formate zu geben. Mit der Aufführung der Formate wird keine Empfehlung für diese ausgesprochen, da sie nicht von uns getestet oder evaluiert wurden. Die Übersicht wird organisch erweitert, es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Lilly Roll-Naumann
Wissenschaftliche Mitarbeiterin „Dialog im Konflikt“
Mail: Lilly.roll-naumann@uni-bielefeld.de
tbd.